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16 Jun 2020

Digitale Infrastruktur in FrankfurtRheinMain - ein zentraler Standortfaktor

Jan Fiedler, Director Industries & Regional Networks, FrankfurtRheinMain GmbH
Energieeffizienz ist ein wichtiges Argument in der Standortwahl der Rechenzentren. Doch für den Ausbau digitaler Infrastrukturen braucht es einen Blick auf das Gesambild. Frankfurt ist der Gateway zu Europa - dieser Faktor sollte nicht leichtfertig verspielt werden. 

Als einer der wenigen Standorte, die in gewisser Weise von den Auswirkungen des Brexit profitieren konnten, wird immer wieder Frankfurt genannt. Tatsächlich haben sich in Folge dieses Referendums bereits rund 40 Finanzhäuser zum Standort Frankfurt bekannt und dort eine Präsenz errichtet beziehungsweise bestehende Strukturen ausgebaut.

Als eine sich klar zu Europa bekennende Region hätte man jedoch gerne auf den Brexit verzichtet. Frankfurt als Finanzzentrums des Festland-Europas und die Region als pulsierender, global vernetzter Wirtschaftsstandort haben immer von einem starken Europa profitiert.

Deswegen hat sich FrankfurtRheinMain auch von Anfang an angeboten, als Brückenkopf zwischen dem Vereinigten Königreich und Festland-Europa zu fungieren.

Und dafür existieren hervorragende Voraussetzungen. Eine weit verbreitete Willkommenskultur mit Menschen aus über 180 Nationen am besten verkehrstechnisch angebundenen Standort europaweit, eine starke Realwirtschaft mit herausragenden Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Automotive und Informationstechnologie und eine weit über dem Durchschnitt liegende Wertschöpfung.

Dazu gesellt sich eine von Zugezogenen nie erwartete Lebensqualität. Zwischen den Hotspots des pulsierenden Nachtlebens und dem Naturerlebnis mit der Familie liegen nur wenige Minuten Distanz.

Dazu kommt ein weiterer, nicht nur für die Finanzwirtschaft wichtiger, in Zukunft essentieller Standortaspekt. FrankfurtRheinMain ist bestens aufgestellt im Bereich der digitalen Infrastruktur. Zeitgleich durchfließen den Internetknoten DE-CIX Datenmengen wie keinen anderen Knoten der Welt.

FrankfurtRheinMain ist mit Abstand Deutschlands wichtigster Standort für Rechenzentren. Weit mehr als jedes vierte Rechenzentrum Deutschlands steht in der Region.

Rechenzentren nützen allen - nicht nur den Banken

Die relevanten Akteure der Branche haben sich in FrankfurtRheinMain positioniert. Auch die vergangenen Wochen haben die Bedeutung einer funktionierenden digitalen Infrastruktur klar verdeutlicht. Sie ist unabdingbar, nicht nur zum Streamen unzähliger Videos und Abhalten von Videokonferenzen oder um ein effizientes Homeschooling zu ermöglichen, sondern eben auch für Themen wie das Internet der Dinge, Autonomes Fahren oder Künstliche Intelligenz.

Die Internetwirtschaft gilt als Rückgrat nicht nur der Finanzwirtschaft.

Und doch sind Rechenzentren als maßgeblicher Faktor einer digitalen Infrastruktur nicht überall willkommen. Kritische Stimmen bemängeln, dass die Flächenkonkurrenz in zentraler Lage am stärksten ausgeprägt sei.

Rechenzentren werten Räume auf

Im Besonderen wird knapper Wohnraum und damit verbunden steigende Mieten als Gegenargument herangezogen. Auch Beschäftigungs- und monetäre Effekte, die von Rechenzentren ausgehen, sind vielen planerischen und politischen Akteuren auf den ersten Blick zu wenig transparent.

Nicht zuletzt auch die kürzlich in diesem Newsletter angesprochene Energieeffizienz beziehungsweise die angezweifelte Klimaneutralität der Rechenzentren sind Themen mit denen sich die Branche auseinandersetzen muss.

Alle diese Argumente haben eine Berechtigung und müssen diskutiert werden. 

Alleine im vergangenen Jahr ist eine Vielzahl an neuen Rechenzentren in FrankfurtRheinMain entstanden. Da der Flächendruck in Frankfurt besonders hoch ist, erfolgten und erfolgen Ansiedlungen vermehrt auch in die umliegende Region.

Beispiele aus Hanau, Hattersheim, Babenhausen, Limburg und Erlensee implizieren, dass die gesamte Region vom Boom der Rechenzentren profitiert. Gerade auch unter dem Aspekt, dass Ansiedlungen in Bestandsimmobilien oder auf Flächen stattfinden, die aufgrund unterschiedlicher Faktoren wie zum Beispiel Altlasten oder fehlender Anbindung kaum vermittelbar waren oder sind.

Rechenzentren haben mehr Potenzial zur Nachhaltigkeit

Zudem hat sich gezeigt, dass die Geschäftsmodelle der Rechenzentren gerade auch in der Krise erfolgreich und eine berechenbare und verlässliche Größe bezüglich des kommunalen Gewerbesteueraufkommens sind.

Damit FrankfurtRheinMain im globalen Wettbewerb der Regionen auch in Zukunft eine starke Rolle spielen kann und attraktiv für Unternehmen und Talente bleibt, bedarf es einer intelligenten Weiterentwicklung der digitalen Infrastrukturen unter Berücksichtigung der eingebrachten Gegenargumente.

Die Branche wird auch weiterhin stetig und stark wachsen. Das Iphone gibt es erst seit 2007. Die Branche ist vergleichsweise jung hat im Gegensatz zu anderen die Möglichkeit, nachhaltige und effiziente Strukturen zu schaffen, die einen breiten Konsens finden.

Das Land Hessen mit den implementierten Projekten zur Abwärmenutzung und der Bund mit seiner Umweltpolitischen Digitalagenda schaffen die Voraussetzungen hierfür. Die Region FrankfurtRheinMain profitiert nicht nur unter diesem Aspekt von ihrer polyzentrischen Struktur.

Aschaffenburg, Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Wiesbaden bilden neben Frankfurt die Kernstädte der Region. Das Bewusstsein, dass nicht alle Funktionen gleichermaßen von allen wahrgenommen werden, ist ein klarer Pluspunkt für die Region.

So kann der Ausbau digitaler Infrastrukturen auch in Zukunft dort erfolgen, wo er die bestmöglichen Standortvoraussetzungen, inklusiver einer optimierten Energieeffizienz, findet.

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